Content Strategie. Flohmarkt Anwendung

Gestern war ich zum allerersten Mal auf einem Flohmarkt als Ausstellerin. Ich muss zugeben Verkaufstalent ist nicht mein zweiter Name. Und auch nicht der zehnte. Aber da meine Tochter ein Klavier braucht, einigten wir uns darauf, ihr altes Spielzeug und Kleidung am Flohmarkt zu verkaufen, um das Geld für ihr neues Klavier zu sammeln. Und so kam es dazu, dass eine Content Strategin um 3:30 in der Früh am Sonntag (!) aufstand, um auf Flohmarkt zu fahren.

Was hat Flohmarkt mit Content Strategie gemeinsam?

Das ist einfach. Wenn man eigene Ware als Content und Flohmarkt-Besucher (und Aussteller) als User betrachtet, dann ergibt der Vergleich plötzlich Sinn.

World Wide Web. In der Content Strategie geht es uns die meiste Zeit darum, einen mit Content überlasteten User mit eigenem richtigen Content am richtigen Ort (Plattform und Gerät) und zur richtigen Zeit zu überzeugen.

Am Flohmarkt hat man genau so einen Besucher, der vor lauter bunter Vielfalt die Hälfte übersieht. Außerdem ist nicht jeder Besucher an deiner Ware interessiert, insbesondere wenn es um Kinderkleidung und Spielzeug geht.

In WWW würden wir mit Landing pages Traffic auf die Seite leiten, wo durch ein durchdachte User Journey jeder Besucher an den Content kommt, den er braucht und entweder ein Kauf oder ein weiterer Schritt im Kundenbeziehung-Aufbau findet statt.

Am Flohmarkt schnappt man die Aufmerksamkeit von den potenziellen Käufern und leitet diese durch die sinnvoll ausgestellte Ware, sodass jeder Besucher schnell und leicht die (für ihn) richtigen Ware findet und im besten Fall auch den Kauf abschließt.

Ich muss vorwarnen, dass ich so ziemlich viel falsch gemacht habe und vielleicht ein paar Sachen richtig. Und dank meinem Studium in Content Strategie habe ich viel gelernt. Hier sind meine Learnings aus dem 8-stündigen Jänner-Frischluft-Flohmarkt Erfahrung.

User Research und SFO

Benutzerforschung ist eine großgeschriebene Thema in Content Strategie. Genauso am Flohmarkt. Hinter eigenem Stand stehend hat man keine Ahnung wie der Stand und die Platzierung von der Ware auf die Besucher wirken. Man sollte in Bewegung bleiben und den eigenen Stand aus der User-Perspektive immer wieder ansehen und auch immer wieder Änderungen vornehmen – sprich SFO (Stand-am-Flohmarkt-Optimierung).

Herumwandern um eigenen Stand empfiehlt sich auch für diejenigen, die an einem Frischluft-Flohmarkt mitten im Jänner ausstellen. User Research hilft beim Aufwärmen.

Sortieren, löschen, konsolidieren

Dieser Prinzip ist gut für deine Webseite und auch für deinen Flohmarktstand ist er sehr hilfreich. Denn als die Sachen verkauft werden, sollten die Leerplätze aufgefüllt werden. Wenn man Suchverhalten von Besuchern beobachtet, kann man die Gruppierung (Konsolidierung) von den Waren umstrukturieren und anpassen. Zum Beispiel anstatt Oberteile nur nach Größen zu sortieren, diese nach Geschlecht (Rosa vs. Blau) aufzuteilen.

Eyecatcher als Flohmarkt-Landing page

Um die Aufmerksamkeit von der Zielgruppe zu eigenem Stand zu lenken braucht man einen Eyecatcher. Etwas was das Thema angibt und auffallend schön oder interessant ist. Dieses Etwas sollte man gut sichtbar platzieren. Dafür dienen oft Sachen, die gar nicht Flohmarkt-tauglich sind. Ich habe dafür schöne Babywippe verwendet. Sie hat mir einige Besucher und Käufer verschafft, wurde selbst aber nicht verkauft.

User Journey durch Flohmarktstand

Eyecatcher gut platzieren ist der erste Schritt zur Erstellung einer User Journey auf deinem Flohmarktstand. Man sollte wieder auf User Research greifen und den Besucher-Flow von allen Richtungen anschauen.

Bei den Webseiten schauen Content Strategen, woher die Besucher kommen, denn die Möglichkeiten sich nahezu unbegrenzt. Zum Glück ist es am Flohmarkt einfacher. Da kommen die Besucher entweder von rechts oder von links. Und so sollte man sich den eigenen Stand von diesen beiden Perspektiven anschauen und dabei an User Journey denken.

Accessibility ist ein Thema

Aus Kostengründen versucht man an einem möglichst kleinem Stand möglichst viele Ware zu präsentieren. In diesem Kontext bekommt das Wort User Journey eine weitere Bedeutung, denn potenziele Käufer sollen zu den Waren auch dazukommen. Contenthaufen sowie Berge von den Waren will keiner besteigen. Sachen sollen auch nicht am Weg stehen oder unzugänglich platziert werden, denn dann stellen sie eine Barriere dar und hindern den Verkauf.

Zusammengefasst hat die Flohmarkt-Content-Strategie sehr viel mit digitalem Welt gemeinsam.

  • User Research
  • SEO
  • Sales funnel (Landing pages)
  • User Journey
  • Accessibility

Überraschenderweise finden diese Content Strategie Grundlagen eine sehr breite Anwendung und das ist genau das, was ich an meinem Studium so toll finde.
Ahja, das Klavier ist 80 Euro näher geworden 😉

SEO Experiment: Quick & Dirty Informations Architektur Optimierung

Ich interessierte mich für die schnellen und billigen Möglichkeiten der Suchmaschinen-Optimierung, welche spürbare positive Veränderungen bringen konnten. Quick Wins, sozusagen. In diesem Experiment schaute ich mir zwei solche Optimierungsmöglichkeiten an, nämlich Header- und Label- Optimierungen. Ich setzte sie um und prüfte, ob und was genau sie für die SEO meiner Seite gebracht haben.

Header Optimierung

Im Rahmen meiner Content-Strategie Studium an der FH Joanneum habe ich einige Vorlesungen gehabt, wo die selben Sachen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet worden sind. In der SEO Vorlesung von Martin Höllinger und auch Schreiben und Kuratieren von Ursula Kronenberger wurde viel über Header als wichtige Information Architektur bzw. Content Struktur Elemente gesprochen. Daher dachte ich, dass SEO-konforme Header-Optimierung könnte so ein Quick Win sein. Das wollte ich testen.

Labels Optimierung

Bei der Informations Architektur Vorlesung von Roger Fienhold Sheen sprachen wir viel über die Wichtigkeit und Herausforderungen der Labels. Auch bei der Präsenzwoche in London, welche auch vom Content-Strategie Studiengang organisiert wurde, wurde das Thema ‚Labels‘ von Jeremy Keith angesprochen. Er sagte nämlich, dass bei Usability Tests 80% der Ergebnisse weisen auf ’schlechte‘ Labels hin. In anderen Wörtern bedeutet das, dass eine smarte und verständliche Bezeichnung von Labels große Auswirkung an die User Experience hat. Das wollte ich sehen. Also Header und Labels. Das hatte ich mir vorgenommen. Ob sie wirklich Quick Wins bringen können?

Umsetzung des Experiments

Im Züge der Header-Optimierung wurden diverse Seiten von www.urlaubster.at angeschaut und alle Bereiche wie Header, Footer, evtl. Seitenleiste überprüft. Ich konnte feststellen, dass einige Überschriften in diesen Bereichen als Header gekennzeichnet waren. Die mussten alle rausgenommen werden. Nach dieser Optimierung wurden Header nur im Hauptcontent-Bereich nach allen Regeln, wie korrekte Hierarchie etc., verwendet. Dei Labels-Optimierung ist eine relativ simple Sache, denn es gibt normallerweise einen Sprachfile für alle Texte, die es auf der Seite gibt. Darin braucht man nur die Labels konsistent verändern und voila! Es kann definitiv zu einem Quick Win werden, denn es ist recht einfach und schnell und die Änderung beeinflusst den gesamten User Experience und kann somit viel bewirken (positiv und negativ).

Ergebnisse: was hat’s gebracht?

Am Bild unten sieht man Sitzungen-Kurve über die letzten 3 Jahre. Die Webseite hat eine klare saisonale Auslegung und schneidet im Sommer am besten. Im April 2018 wurde diese Experiment durchgeführt und das resultierte in eine sehr starke Steigerung über den gesamten Sommer 2018. Dabei im Gegensatz zu die Sommer 2017 und 2016 wurde über den Sommer 2018 gar keine Aktivität  betrieben, d.h. keine weitere Änderungen auf der Webseite und keine Aktivität in Social Media.
Seitenaufrufkurve über die letzten 3 Jahren zeigt einen starken Sprung nach der Umsetzung des Experiments
Dafür, dass diese Informations-Architektur Änderung sehr schnell und billig zum Implementieren war, sind die Ergebnisse erstaunlich. Ehrlich gesagt habe ich mit so eine starke Verbesserung in organische Suche nicht gerechnet. Daher empfehle ich diesen ‚Trick‘ gerne weiter, gerade wenn mit begrenzten Ressourcen einen kräftigen ROI erreichen will. Fragen? Hast du Fragen zu diesem Artikel oder willst nähere Infos über diesen Experiment wissen? Dann schreibe mir einen Kommentar und ich bemühe mich deine Fragen zu beantworten.