Social Media Experiment: was passiert, wenn nichts passiert?

Große Unternehmen haben eigene Mitarbeiter für die Social Media Betreuung. Kleine und mittlere Unternehmen im Tourismus und Freizeit Bereich sowie Startups müssen meistens ganz ohne professionelle Hilfe damit klar kommen. Bei den knappen Ressourcen passiert es hin und wieder, dass Social Media für eine Weile vergessen werden und überhaupt nicht betreut werden. Wie schlimm ist das denn?

Um das herauszufinden habe ich ein Experiment gemacht und die Social Media Kanäle vom eigenen Startup einen Monat 10 Monate lang nicht angerührt. Mit welchen Konsequenzen muss das Unternehmen sich jetzt auseinandersetzen?

Fangen wir mal von vorne an.

Social Media Kanäle und Abonnentenzahl

Welche Social Media Kanäle mit wie vielen Abonnenten nahmen bei dem Experiment teil? Facebook mit 1953 Followers Twitter mit 1981 Followers Instagram mit 60 Followers

Verlorene Follower

Wie viele Abonnenten/Follower hat das Startup insgesamt während dem Experiment verloren?

Nach 1 Monat – 0

Nach 10 Monate – 180

Gewonnenen Follower

Wie viele Abonnenten/Follower hat das Startup während dem Experiment insgesamt gewonnen?

Nach 1 Monat – 3

Nach 10 Monate – 10

Traffic-Änderung auf der Website

Und was ist mit dem Traffic auf der Seite? Der ging natürlich vor allem im ersten Monat des Experiments verloren, da Social Media eine wichtige Traffic-Quelle für die Unternehmensseite ist.

Was hat das Experiment gezeigt?

Es ist nicht schlimm die Betreuung für einen Monat abzustellen. Jedenfalls empfiehlt es sich eine Meldung in dem jeweiligen Kanal herauszugeben, warum und wie lange der nicht betreut wird. Das gibt den Abonnenten einfach ein gutes Gefühl und zeigt, dass sie für das Unternehmen wichtig sind.

Follower Verluste bei Twitter

Twitter-Account hat am meisten an Follower verloren, nämlich 134 was nahezu 10% ausmacht. Eine Abwesenheitsnotiz wurde in Twitter in März veröffentlicht, was möglicherweise auch die höhere Ausstiegsquote als in Facebook erklärt.

Andererseits könnte sein, dass Twitter-User einfach mehr Wert darauf legen nur wertvollen Ressourcen zu folgen und öfter eine Hygiene von ihren ‚Ich-folge‘ Listen vornehmen. Da der Trafficzahlen von Twitter auf die Website immer schon eher unspektakulär waren, war hier kein großer Verlust zu spüren.

Traffic Verluste bei Facebook

Facebook-Account vermisste nach 10 Monaten *nur* 46 Follower oder 2,5% der Abonnenten, dennoch ein gutes Stück Traffic speziell im Blog Bereich ging verloren. Der Aussetzer in Facebookbetreuung spiegelte sich also negativ in Seitenaufrufen-Statistik wider.

Positive Bilanze bei Instagram

Dadurch das Instagram nicht auf Newsfeed aufgebaut ist, sondern auf Hashtags, hat Instagram Account sogar noch positive Bilanz gezogen. Dort hat der Account nach 10 Monate langem Experiment 10 neue Follower dazu bekommen, was einem Zuwachs von 16% entspricht. Der geringer Followerzahl lässt keine weiteren Schlüsse über die Entwicklung von Trafficzahlen ziehen.

Welche strategischen Entscheidungen können davon abgeleitet werden?

Das Experiment half mir Spreu vom Weizen zu trennen. Ich konnte dadurch die Effizienz von den Social Media Kanäle für das Unternehmen viel transparenter machen. Und ich konnte klar nachvollziehen die Betreuung von welchen Kanälen für das Unternehmen aktuell am meisten bringt und welche Kanäle könnten entweder mit einer niedrigeren Priorität versehen werden oder gar nicht mehr betreut werden.

Gerade für die Unternehmen mit begrenzten Ressourcen kann so ein Experiment bei der strategischen Ressourcen-Planung helfen und einfach aufzeigen wie viel Energie diverse Kanäle brauchen, um effektiv zu sein, und welche davon ehe das Potenzial besitzen ein Selbstläufer zu werden (zumindest zum Teil).

Rahmenbedingungen

Es ist wichtig dabei zu bedenken, dass die Ergebnisse von meinem Experiment nur sehr begrenzt oder gar nicht von anderen Unternehmen genutzt werden können. Der Grund dafür ist, dass die Betreuung, die Art und Weise von Kommunikation und auch die Community, die jeweilige Seite sich aufgebaut hat und deren Anforderungen und Erwartungen eine sehr große Rolle spielen und stark die Ergebnisse beeinflussen können.

Ich kann empfehlen mutig zu sein und selbst so ein ähnliches Experiment durchzuführen. Man kann alternativ nicht alle Kanäle zugleich ‚abstellen‘, sondern immer wieder nur eins davon pausieren. So würde man zu den ’saubereren‘ Erkenntnissen in Bezug auf die Wirksamkeit jeden einzelnen Kanals kommen.

Für mich hat sich das Experiment gelohnt, Veränderungen in der Strategie der Social Media Betreuung werden folgen.

Letzte Aktualisierung: 17.01.2019

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2 Replies to “Social Media Experiment: was passiert, wenn nichts passiert?

  1. Interessant, dass es Usern gar nicht auffällt, wenn ein Unternehmen ein Monat lange auf einem Kanal gar nicht kommuniziert. Das unterstreicht meiner Meinung nach den Informationsüberfluss.
    Wann begannen die User auf Twitter dir zu entfolgen? Ich rate, dass dies begann, als du ankündigtest den Kanal nicht mehr zu betreuen und stelle daher die Frage, ob man so etwas ankündigen soll oder vielleicht nur User die Nachrichten senden automatisch informiert?

    1. Die User begannen auf Twitter erst nach einem Monat und noch später zu entfolgen. D.h. die Entfolgungen waren keine unmittelbare Reaktion auf die Meldung von Unternehmen. Ich glaube aber, dass später diese Ankündigung den Usern die Entscheidung (zu entfolgen) leicht gemacht hat.

      Deine Frage, ob man so etwas ankündigen soll, würde ich mit ‚Ja‘ beantworten.
      Wenn ich ein Kommunikationskanal für immer einstelle, treffe ich eine bewusste Entscheidung meine Follower nicht mehr zu betreuen. Es ist nur fair, dass auch die Follower darüber erfahren und evtl. mich auf anderen Kanälen abonnieren können.

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